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  • Sabine Kernek

Verhaltensänderungen sind als Hinweise auf belastende Situationen zu interpretieren, wobei individuelle Unterschiede unter Hunden groß sind. So reagieren bestimmte Hunde relativ schnell mit auffallender Ruhelosigkeit, während andere mehr zur Passivität neigen. In beiden Fällen ist ein Spannungsabbau über Sozialspiele oder entspannte Kontakte ratsam. Weitere mögliche Indikatoren einer Überforderung des Hundes sind Änderungen im Aktivitätsrhythmus wie z.B. kurze, immer unterbrochene Ruhepausen, nicht-Ansprechbarkeit, Apathie. Stress kann zudem zu veränderten Fressverhalten von völliger Appetitlosigkeit bis zur Fresssucht führen. Die Unfähigkeit von Haustieren, sich über Reizwahrnehmung und Verhalten mit ihrer Lebenssituation auseinandersetzen zu können, führt zu chronischem Stress und zu Verhaltensveränderungen.

Die Tiere sind unruhig und haben Angst und oft durch defensive Ausdrucksweisen gekennzeichnet. Eine große Fluchttendenz oder plötzliches Angriffsverhalten bei Unterschreitung der kritischen Distanz sind dann oft keine Seltenheit. Die ständige Unangepasstheit an ihre Lebensumstände und die anhaltende Angst, ist ein Zustand der ein erhebliches Leid verursacht. Verhaltensstörungen entwickeln sich aus der Unmöglichkeit heraus, hohe Motivationen über die Auseinandersetzung mit adäquaten Reizen aus der belebten Umwelt abzubauen. Es resultieren „erlernte Hilflosigkeit“, da keine Auswege und keine Strategien gefunden werden, um aus dem Dilemma heraus zu kommen. Da Motivation und Endhandlung nicht zusammentreffen, befindet sich das Tier in einem Zustand ständiger Unruhe.


Thema demnächst: "Akuter und chronischer Stress"

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  • Sabine Kernek

Die Stresshormone werden in Sekundenschnelle ausgeschüttet, erreichen ihren Höhepunkt nach 10 – 15 Minuten und brauchen 0,5 – 6 Tage, ehe der Körper sie wieder abgebaut hat. Tägliche Stressmomente führen zu einer permanenten Ausschüttung dieser Stresshormone. Viele Hund leben unter Haltungsbedingungen, die einen Abbau kaum noch möglich machen. Mit der Stressreaktion wird häufig das Angstgefühl assoziiert. Die Stressreaktion ist aber auch mit anderen Emotionen gekoppelt. Die Stresshormone werden auch bei Wut, Jagd, Trauer oder großer Freude ausgeschüttet. Stress kann deshalb nicht gleichgesetzt werden mit Angst. Eher gilt, das Angst eine Hauptemotion von Stress ist.


Ob ein Hund eine Situation oder ein Ereignis als Stressor empfindet, hängt von vielen Faktoren ab. Neben der Wahrnehmung und Verarbeitung von äußeren Faktoren, sind interne Faktoren entscheidend wichtig für die subjektive Empfindung von Stress.

Jede Stressreaktion stellt zunächst eine Antwort des Organismus auf eine mögliche Herausforderung dar. Diese kann in einer sozialen Kommunikation wie z.B. bei einem Rangordnungskonflikt liegen, oder Folge intensiver Konzentration und Arbeit, wie z.B. bei Suchhunden. Auch Ängste können Stressreaktionen auslösen.

Der aktive Versuch, mit einer bedrohlichen Situation fertig zu werden, führt zu einer Aktivierung der Nebennierenmarkzellen, wodurch Adrenalin und Noradrenalin in die Blutbahn abgegeben wird.


Die wesentlichen Körperreaktionen in einer Stresssituation sind:


*Erhöhung des Herzschlages und der Herzschlagkraft * Blutdruckanstieg

* Verstärkung der Durchblutung von Skelettmuskulatur und des Herzmuskels durch Gefäßerweiterung * Verminderung der peripheren Durchblutung durch Verengung der Hautkapillaren * Verschlechterung der Blutversorgung des Magen-Darm-Traktes und der Nieren durch Verengung entsprechender Kapillaren * Erweiterung der Bronchien und Verbesserung der Sauerstoffaufnahme * Abbau von Glykogen in der Leber, wodurch körpereigene energiereiche Verbindungen hergestellt werden * Zunahme der Gerinnungsfähigkeit des Blutes * Anstieg der Anspannung der Skelettmuskulatur

Der Körper ist nun vorbereitet, sofort auf eine Belastung zu reagieren, und wird auf eine schnelle aktive energieverbrauchende Antwort wie Flucht oder Kampf reagieren. Durch die Aktivierung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes und des Immunsystems schützt sich der Körper bei Auftreten von Verletzungen sowie gegen eindringende Keime. Diese Reaktion wird als akuter und aktiver Stress bezeichnet und geht mit Erregung, sowie dem ständigen Bemühen, die Umwelt zu kontrollieren, einher.


Ein Kontrollieren der gefährdenden Umwelt, eine aktive Auseinandersetzung mit ihr, und ein Beenden der Belastung, sind genau die Funktionen von akutem Stress. Was für ein Individuum nun durchaus positiv sein kann, wird von einem anderen als Belastung und vielleicht sogar als Bedrohung bewertet. Die Bewertungen variieren somit bei Hunden genauso wie bei Menschen. Hunde können uns nichts über ihre subjektiven Empfindungen sagen, aber sehr wohl ihr individuell unterschiedliches Verhalten, die ihre Vorlieben wie Abneigungen verdeutlichen.


Thema demnächst: "Alarmbereitschaft - Stress & Hormone Teil 3 "


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  • Sabine Kernek


Das Aldosteron, das ebenfalls ausgeschüttet wird, steuert den Wasserhaushalt, der unter anderem für Kot- und Urinabsatz verantwortlich ist. Wird es stressig, müssen auch Menschen das WC aufsuchen. Beim Hund äußert sich das durch Schweißpfoten und häufigen Urinabsatz, der mit einem Markieren im eigentlichen Sinne nicht zu tun hat, oder durch stressbedingten Durchfall.


Das Aldosteron kann in Bezug auf den Wasserhaushalt auch in die andere Richtung wirken. So ist von Angsthunden bekannt, dass sie nach einem Ortswechsel wie z.B. Adoption, Umzug, etc., häufig mehr als 24 Stunden nicht urinieren oder koten. Das Aldosteron kann die Wasserproduktion also auch deutlich einschränken. Wenn man mit einem Hund eine Hundeschule besucht, dann strömen jede Menge Reize auf den Hund ein. Es ist aufregend, Stresshormone werden ausgeschüttet, unter anderem das Aldosteron. Infolge muss der Hund urinieren oder koten. Diesen Mechanismus kann er nicht ausschalten.

Wird das Urinieren oder Koten auf dem Hundeplatz verboten, kennen die Verantwortlichen sich nicht mit dem Stresshormon aus, was an ihrer fachlichen Qualifikation zweifeln lässt. Die Magensäfte werden in der Stressreaktion vermehrt produziert. Dies führt dann zu Appetitlosigkeit oder zu regelrechten Fressattacken. Manche Hunde reagieren auf starken Stress auch mit Erbrechen.


Auch die Sexualhormone haben eine Aufgabe im Stresssystem. Nachdem die Natur bei der Wahl des Sexualpartners eine gesunde Rivalität vorgesehen hat, sorgen die Sexualhormone in der angespannten Situation für eine zusätzliche Abwehr- bzw. Angriffsbereitschaft. Und bei der überlebenswichtigen Jagd sorgen sie für ausreichend viel Mut und Angriffsbereitschaft, große Beutetiere anzugreifen und zu erlegen.


Thema demnächst: "Alarmbereitschaft - Stress & Hormone Teil 2"


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